Stiftung

Das Thema Stiftungen wird meist direkt mit wohltätigen Organisationen verbunden, die von Individuen, Gruppen oder auch Unternehmen zu philanthropischen Zwecken aufgesetzt werden. Die unternehmensverbundenen Stiftungen können allerdings neben einem wohltätigen Zweck auch andere Vorteile für Stifter und Unternehmen bieten. Zusätzlich existieren im deutschen Rechtssystem Stiftungen, die keinen gemeinnützigen Zweck verfolgen, sondern zur Förderung ganz bestimmter Gruppen gegründet wurden (z.B. Familienstiftungen). Im Kontext von Familienunternehmen werden Unternehmensstiftungen mit dem Thema Nachfolgeplanung in Verbindung gebracht. Da die Stiftung über eigenen Besitz verfügen kann, ist es möglich ihr Vermögen zu vererben und die Verwaltung an durch den Stifter festgelegte Richtlinien zu binden. Auch können die meisten Stiftungen ihr Kernvermögen nicht angreifen. 

Als Unternehmensstiftungen werden in der Literatur und Praxis solche Stiftungen bezeichnet, die Anteilseigner eines Unternehmens sind. Dabei gibt es zwei Unterscheidungen: Die Unternehmensträgerstiftung, die das Unternehmen unmittelbar selbst leitet und der Beteiligungsstiftung, welche als einfacher Gesellschafter auftritt. Mit Hinblick auf relevante Stiftungstypen sind vier verschiedene Ausprägungen zu beachten. Die erste ist die der gemeinnützigen Stiftung. Diese genießt (fast) vollständige Steuerfreiheit, da sie in ihrem Handeln, mit Blick auf die Stärkung des Gemeinwohls, die Situation der Gesellschaft verbessert. Die zweite zu beobachtende Ausprägung ist die Familienstiftung. Diese wird als keine besondere Rechtsform, sonder eine Anwendungsform der gewöhnlichen bürgerlich-rechtlichen Stiftung geführt. Ihre Erträge werden in der Regel zu Gunsten einer oder mehrerer Familien und ihrer Mitglieder ausgeschüttet. Die Familienstiftung agiert folglich privatnützig.

Zusätzlich treten in der Praxis unterschiedliche Sonderformen von Stiftungen auf. Zu nennen sind hier die Doppelstiftung und die Stiftung & Co. KG. Die Doppelstiftung möchte die Kontrolle des Unternehmens von der Anteilsmehrheit trennen und die steuerlichen Begünstigungen der gemeinnützigen Stiftung nutzen, ohne der, von der Stiftungsaufsicht beeinflussten, Stiftung die Kontrolle über das Unternehmen zu überlassen. Auch das Konstrukt der Stiftung & Co. KG verfolgt dieses Ziel. Die Stiftung übernimmt in einer Kommanditgesellschaft die Rolle des Komplementärs und der Stifter stattet die Stiftung bei ihrer Aufsetzung mit einer Satzung aus, welche die Führung des Unternehmens in seinem Sinne festlegt. Die Gründung selbst sollte wohl überlegt sein, da der Abschluss des Stiftungsgeschäfts mit einer Aufgabe aller Eigentumsrechte gegenüber den der Stiftung übertragenen Vermögenswerten gleichzusetzen ist. 

Motivationen, die zur Gründung einer Unternehmensstiftung führen, sind bspw. das gänzliche Fehlen von Nachfolgern und der Wunsch des Zusammenhalts der Unternehmensanteile. Damit verbunden ist die Etablierung einer auf unbestimmte Zeit festgelegten Unternehmenskontinuität. Ein weiterer Grund liegt in einem generellen Misstrauen in die nachfolgende Generation, die sich nicht nur auf einzelne Individuen beschränkt. Durch die Stiftungsgründung wird versucht, die Durchsetzung des Willens für die Zeit nach dem Ausscheiden festzuschreiben. Der Stifter setzt somit bei Misstrauen eine Satzung mit strikten Handlungsmaximen auf, die in der Folge zu einer eingeschränkten Reaktionsfähigkeit der Unternehmensstiftung auf wirtschaftliche Einflüsse führt. 

Der Prozess der Gründung einer Stiftung gliedert sich in den Stiftungswillen und die sog. Stiftungsreife. Die Stiftungsreife ist hierbei ein Status, der durch einen Prozess des Erwartungsmanagements charakterisiert wird, in dem sich der stiftungswillige Unternehmer mit allen möglichen Optionen auseinandergesetzt und über ihre jeweiligen Vor- und Nachteile informiert hat. Es geht vor allem darum, die für jeden subjektiven Fall unterschiedliche, optimale Lösung zu finden und auszugestalten. Das Aufzeigen der umsetzungsfähigen Optionen, eine umfassende Sensibilisierung für die Konsequenzen der Einrichtung einer Stiftung, sowie die akribische Planung des individuellen Stiftungsfalles sind kritisch um Stiftungsreife zu erzeugen. 

Ihre Ansprechpartnerinnen

Prof. Dr.  Nadine Kammerlander

Prof. Dr. Nadine Kammerlander

Nadine Kammerlander wurde im November 2015 zur Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management berufen. Zuvor war sie als Assistenzprofessorin an der Universität St. Gallen tätig. Nadine Kammerlander ist diplomierte Physikerin (TU München) und promovierte Betriebswirtschaftswissenschaftlerin (Otto-Friedrich Universität Bamberg). Sie arbeitete mehrere Jahre bei McKinsey & Company und beriet internationale Unternehmen der Automobil- und Halbleiter-Branche in Produktentwicklungsprojekten. Neben der Schweiz und Deutschland lebte bzw. arbeitete Nadine Kammerlander auch in Schweden, Italien, USA und Mexiko.

Tel.: +49-(0)261-6509-780
Mail: nadine.kammerlander(at)whu.edu

Khadija Mubarka

Khadija Mubarka

Seit März 2016 ist Khadija Mubarka als Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am LS für Familienunternehmen tätig. Zuvor absolvierte sie ein Studium an der International Islamic University, Islamabad (IIUI), Pakistan und University Of Sargodha (UOS), Sargodha, Pakistan. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Innovation und Governance in Familienunternehmen. 

Tel.: +49 (0)261 6509-783
Mail: khadija.mubarka(at)whu.edu