Risiko

Bisherige Forschungsarbeiten haben mehrere Merkmale von Familienunternehmen aufgezeigt, die sich potenziell auf das Risikoverhalten von Familienunternehmen auswirken können, und sie mit dem Risikoverhalten von Nicht-Familienunternehmen verglichen. Beispielsweise ist das Vermögen einer Unternehmerfamilie in der Regel nicht ausreichend diversifiziert, da es in der Regel in ein oder wenige Unternehmen investiert ist. So könnten sich Familienunternehmen risikoscheuer verhalten als Nicht-Familienunternehmen, um einen Konkurs zu vermeiden. Ebenso zielen Unternehmerfamilien oft darauf ab, das Erbe ihrer Vorfahren zu bewahren und sind deshalb nicht bereit, "riskante" Schritte zu unternehmen, die wesentlich vom organisatorischen Weg abweichen. Andere Forscher argumentieren dagegen, dass Familienunternehmen aufgrund ihrer typischen Unabhängigkeit von den Finanzmärkten und ihrer langfristigen Ausrichtung u.a. in der Lage und bereit sind, mehr Risiken einzugehen als andere Arten von Organisationen.

Vor dem Hintergrund dieser kontroversen Argumente sowie unklarer empirischer Befunde ist das Gesamtrisikoverhalten von Familienunternehmen derzeit noch nicht hinreichend untersucht. Am wichtigsten ist, dass wir keine Antwort auf die folgende Forschungsfrage haben: Wie unterscheiden sich Familienunternehmen von Nicht-Familienunternehmen in Bezug auf das Risikoverhalten? Zusätzlich zu dieser wichtigen Forschungslücke betonen die Forscher zunehmend die Heterogenität zwischen Familienunternehmen sowie die Notwendigkeit, relevante Kontingenzvariablen, die zu einer Varianz in der Risikobereitschaft von Familienunternehmen führen könnten, eingehender zu untersuchen. Um die derzeit gemischten theoretischen Argumente und empirischen Befunde zu beleuchten, wird zwischen den beiden prominenten Risikoarten (Vulnerabilitätsrisiko und Variabilitätsrisiko) und den verschiedenen Unternehmenstypen (echte Familienunternehmen und Einzelgründerfirmen) unterschieden.

Wir argumentieren, dass sich die unterschiedlichen Charakteristika dieser Unternehmenstypen unterschiedlich auf die jeweiligen Risikoarten auswirken. So führt beispielsweise die Absicht einer Familie, das Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben, zu einer Tendenz zur Senkung des Vulnerabilitätsrisikos, während die langfristige Ausrichtung derselben Familie zu einer Tendenz führt, ein höheres Variabilitätsrisiko zu akzeptieren. Im Gegensatz dazu befindet sich eine von einem Gründer kontrollierte Firma typischerweise in einem eher frühen Stadium mit einem eher ungeprüften Geschäftsmodell und demzufolge höherem Vulnerabilitätsrisiko. Viele Gründer werden häufig von Investoren hinterfragt und müssen ständig wachsende Finanzergebnisse (oder verwandte Indikatoren) präsentieren, um erfolgreich zu sein. Einzelne Gründerfirmen sind daher bestrebt, das Variabilitätsrisiko zu reduzieren.

Mit unserer Forschung bieten wir verschiedene Implikationen für die Praxis. Erstens könnten Kreditgeber und Investoren, die an Familienunternehmen interessiert sind, von unseren Erkenntnissen profitieren. Insbesondere sollten Kreditgeber erkennen, dass Unternehmerfamilien oft ihren Fokus auf die Senkung der Konkursrisiken teilen. Im Gegensatz dazu müssen Eigenkapitalinvestoren in ihre Bewertung die Möglichkeit einbeziehen, dass Familienunternehmen ein höheres Variabilitätsrisiko in Kauf nehmen. Zweitens müssen sich Kreditgeber und Investoren der Heterogenität von Familienunternehmen bewusst sein. Beispielsweise könnten Familienunternehmen der ersten Generation die allgemeine Risikoaversion der meisten Familienunternehmen nicht teilen. Drittens müssen familienfremde Geschäftsführer von Familienunternehmen die komplexen Risikoeinstellungen der jeweiligen Unternehmerfamilie verstehen. Ebenso könnten Unternehmerfamilien Anreizsysteme für familienfremde CEOs anpassen. Beispielsweise muss sich die Verlustaversion gegenüber nicht-wirtschaftlichen Vermögenswerten, wie z.B. der Reputation des Unternehmens, in den Zielen des CEO und dem Anreizsystem widerspiegeln.

Ihre Ansprechpartner

Markus Kempers

Markus Kempers

Markus Kempers ist seit April 2016 interner Doktorand am Institut für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Aufgrund seines familienunternehmerischen Hintergrunds fokussiert er sich in seiner Dissertation auf das Risikoverhalten von Familienunternehmen.

Während seiner Promotion ist Markus für die Koordination des Instituts, sowie die Organisation des jährlich-stattfindenden Campus for Family Business hauptverantwortlich. Markus hat einen M.Sc. Abschluss in Management der Nova Business School of Business and Economics (Lissabon, Portugal). Während seines Bachelorstudiums in Köln verbrachte er ein Auslandssemester an der University of California San Diego (USA).

Tel.: +49 (0)261 6509-784
Mail: markus.kempers(at)whu.edu

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Max Leitterstorf ist seit 2014 Juniorprofessor am Institut für Familienunternehmen der WHU – Otto Beisheim School of Management. Im Rahmen von Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit den ökonomischen und nicht-ökonomischen Zielen von Unternehmerfamilien und den jeweiligen Auswirkungen auf der Unternehmensebene. Konkrete Forschungsprojekte befassen sich u.a. mit der Dividendenpolitik, M&A und Risiko. Neben der eigene Forschung und Lehre fördert Max Leitterstorf auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut und die Einbindung von Familienunternehmern u.a. durch die jährliche Konferenz „Campus for Family Business“.
Vor seinem Wechsel an die WHU war Max Leitterstorf ab 2008 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG). Dort beriet er sowohl Großkonzerne als auch Familienunternehmen bei verschiedenen strategischen Fragestellungen. Projektthemen waren u.a. PMI, Kernprozesse, und Organisationsstrukturen. Seit dem Wechsel an die WHU unterstützt Herr Leitterstorf (z.T. gemeinsam mit studentischen Teams) Familienunternehmen bei unterschiedlichen Themen wie der strategischen Ausrichtung bzw. mit Blick auf die Rolle der Familie im Unternehmen.

Tel.: +49-(0)261-6509-810
Mail: max.leitterstorf(at)whu.edu