Private Equity

Der Begriff „Private Equity“ umschreibt die Bereitstellung bzw. Investition von Eigenkapital durch Finanzinvestoren. Private Equity gewann in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Basierend auf eine Studie von Invest Europe (2016) stiegen Private Equity Investitionen (Growth und Buyout) in Europäische Unternehmen seit 2012 um 34% an: von EUR 34.4 Mrd. in 2012 auf EUR 46.2 Mrd. in 2016. Knapp zwei Drittel der insgesamt 1,930 Investitionen erfolgten in kleine und mittlere Unternehmen (KMU)—viele davon Familienunternehmen.

Familien spielen daher im Bereich Private Equity eine besondere Rolle. Am Institut für Familienunternehmen der WHU untersuchen wir dieses Phänomen aus zwei Perspektiven: Zum einen sind Familienunternehmen eine attraktive Zielgruppe für Private Equity Investoren. Zum anderen agieren viele Familienunternehmer/innen privat selber unternehmerisch und investieren—als Family Private Equity Investoren—in Unternehmen. Zum letzteren finden Sie mehr Informationen unter der Rubriken „Family Office“ und „Family Equity“.

Private Equity Investitionen in Familienunternehmen:

Viele Familienunternehmen stehen vor der Herausforderung das Unternehmen an die nächste Generation zu übergeben. Obwohl Familienunternehmer tendenziell zögern, die Kontrolle an externe Investoren zu übertragen, erwägt eine wachsende Anzahl ihr Unternehmen an Familienfremde zu veräußern. Die Gründe für solch einen Geschäftsabschluss sind binär: Während einige Familienunternehmen nicht auf einen passenden und qualifizierten Nachfolger aus der Familie zurückgreifen können, fehlt es anderen an finanziellen und nichtfinanziellen Ressourcen um in Zeiten der Digitalisierung und globalen Expansion zu wachsen. Familienunternehmen, die dem entgegenwirken und ihr Eigenkapital erhöhen möchten, können Unternehmensanteile (ganz oder anteilig) an Private Equity Investoren verkaufen. Wissenschaftliche Studien deuten jedoch darauf hin, dass die Zusammenarbeit von Familienunternehmen und Private Equity Investoren ein Spannungsfeld darstellt: Nichtfinanzielle und langfristige Ziele (auch mit Blick auf die gesellschaftliche Reputation) von Familienunternehmen treffen auf kurzfristige und profitmaximierende Ziele von Private Equity Investoren. Man könnte daher annehmen, dass eine einvernehmliche Zusammenarbeit nur schwer zu realisieren sei und Private Equity eine letzte Instanz für Familienunternehmen darstellt. Diesen Überlegungen stehen steigende Investitionsvolumina und Deal Flows aus der Praxis entgegen.

Am Institut für Familienunternehmen der WHU untersuchen wir das Phänomen „Private Equity Investitionen in Familienunternehmen“ multiperspektivisch und interdisziplinär. Folgende Fragestellungen sind im Rahmen unserer Forschung von zentraler Bedeutung: 

  • Warum, wie und unter welchen Umständen verkaufen Familienunternehmen Anteile an Private Equity Investoren?
  • Wie sieht der Transaktionsprozess von Private Equity Investments in Familienunternehmen aus? Was sind die Herausforderungen und wesentlichen Erfolgsfaktoren?
  • Wie arbeiten Private Equity Investoren mit Familienunternehmen zusammen? Wie und warum kann eine direkte Zusammenarbeit für beide Seiten attraktiv sein und langfristigen Wert schaffen?
  • Wie und warum beeinflusst das Phänomen „Familienunternehmen versus Nichtfamilienunternehmen“ klassische Investmenteigenschaften, wie Entry/ Exit Multiples, Branchenauswahl oder die Halteperiode?

 

 

Ihre Ansprechpartner

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Max Leitterstorf ist seit 2014 Juniorprofessor am Institut für Familienunternehmen der WHU – Otto Beisheim School of Management. Im Rahmen von Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit den ökonomischen und nicht-ökonomischen Zielen von Unternehmerfamilien und den jeweiligen Auswirkungen auf der Unternehmensebene. Konkrete Forschungsprojekte befassen sich u.a. mit der Dividendenpolitik, M&A und Risiko. Neben der eigene Forschung und Lehre fördert Max Leitterstorf auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut und die Einbindung von Familienunternehmern u.a. durch die jährliche Konferenz „Campus for Family Business“.
Vor seinem Wechsel an die WHU war Max Leitterstorf ab 2008 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG). Dort beriet er sowohl Großkonzerne als auch Familienunternehmen bei verschiedenen strategischen Fragestellungen. Projektthemen waren u.a. PMI, Kernprozesse, und Organisationsstrukturen. Seit dem Wechsel an die WHU unterstützt Herr Leitterstorf (z.T. gemeinsam mit studentischen Teams) Familienunternehmen bei unterschiedlichen Themen wie der strategischen Ausrichtung bzw. mit Blick auf die Rolle der Familie im Unternehmen.

Tel.: +49-(0)261-6509-810
Mail: max.leitterstorf(at)whu.edu

Antonia Schickinger

Antonia Schickinger

Antonia Schickinger ist seit Oktober 2016 externe Doktorandin am Institut für Familienunternehmen an der WHU. Ihre Promotion wird durch die Friedrich-Naumann Stiftung gefördert.

Auf Grund ihres familienunternehmerischen und finanzorientierten Hintergrunds fokussiert sich Antonia in ihrer Dissertation auf unternehmerische Direktbeteiligungen aus Sicht von Familieninvestoren und Family Offices, sowie auf Private Equity Investitionen in Familienunternehmen.

Während ihrer Promotion ist Antonia für den Aufbau eines Family Offices in München mitverantwortlich. Zuvor war sie als Analystin bei Goldman Sachs tätig, wo sie weitreichendes Wissen im Bankensektor und insbesondere in der Beratung von Family Offices und Familienvermögen sammelte. Antonia hat einen M.Sc. Abschluss in Management der Universität Mannheim. Zusätzlich verbrachte sie Auslandssemester an der Chulalongkorn Universität Bangkok (Thailand) und dem Indian Institute of Management Ahmedabad (Indien).

Mail: antonia.schickinger(at)whu.edu