M&A

M&A steht für Mergers & Acquisitions, also für Fusionen und Übernahmen von Unternehmen. M&A ist ein internationales Phänomen über Branchen und Sektoren hinweg. Seit der Jahrtausendwende ist M&A zunehmend ein zentraler Bestandteil der strategischen Unternehmensentwicklung. Dies hat seither zu einer höheren Professionalisierung bei den Unternehmen und einer stetigen Zunahme der Transaktionsaktivität geführt. Der aktuelle Höhepunkt der M&A-Welle wird durch konsolidierende Kernmärkte, historisch niedrige Finanzierungsniveaus, gefüllte „Kriegskassen“ durch nicht ausgeschüttete Überschüsse, aber auch durch Megatrends wie der „Digitalisierung“ getrieben.

Einerseits spielen Familienunternehmen als „strategische Käufer“ eine gewichtige Rolle bei internationalen M&A-Transaktionen im Rahmen der strategischen Unternehmensentwicklung, insbesondere in Bezug auf die Internationalisierung. Sie spielen jedoch auch im Mittelstand eine zunehmend wichtigere Rolle, z.B. indem sie Akquisitionsstrategien zur vertikalen und horizontalen Integration ihrer Wertschöpfungsketten („Synergien“) und der Konsolidierung ihres Heimatmarktes („Morganisierung“) entwickeln und umsetzen. Familienunternehmen sind als Käufer oft geprägt durch den Einfluss von Familienmitgliedern in Managementfunktionen, begrenztes Akquisitionskapital und höhere Risikosensitivität, da größere Transaktionen auch ein existenzielles Risiko für das Familienunternehmen und damit für einen substanziellen Teil des Familienvermögens darstellen.

Andererseits zählen Familienunternehmen zu den beliebten Zielunternehmen auf den M&A-Märkten und das sowohl bei strategischen (Corporates) und quasi-strategischen Käufern (Industrieholdings & Family Offices) als auch bei Finanzinvestoren (Private Equity). Dies hat viele Gründe: Viele Familienunternehmen, besonders aus dem deutschen Mittelstand, zählen zu den hochspezialisierten und innovativen „Hidden Champions“. Diese Familienunternehmen verstehen es in besonderem Maße, Innovationen und langfristige Wertschöpfung nachhaltig und organisch zu verbinden. Weiterhin gelten Familienunternehmen oftmals als vergleichsweise weniger professionalisiert, so dass ihnen verborgene und zu realisierende „Wertpotenziale“ nachgesagt werden.

Seit der Jahrtausendwende treten Unternehmerfamilien auch zunehmend als Verkäufer von Familienunternehmen auf. Wurde ein solcher Verkauf in der Vergangenheit oft als „Traditionsbruch“ und „Scheitern der Familie“ wahrgenommen, so nutzen Unternehmerfamilien den strategischen Verkauf des Unternehmens aus wohlgemerkt „guten Grüßen“, um ihr oftmals zentriertes Vermögen langfristig für die Familie zu erhalten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass mit dem Verkauf des Unternehmens die Familien auch zwangsläufig ihre unternehmerische Identität aufgeben – im Gegenteil. Nach Verkäufen von Familienunternehmen ist häufig die Gründung eines Single Family Offices zu beobachten, durch das die Familien die Reallokation ihres erlösten „Family Equity“ in breit diversifizierte Anlagestrategien umsetzen. Neben der klassischen Vermögensverwaltung sind zunehmend auch Investitionen in unternehmerische Direktbeteiligungen zu beobachten. In den letzten Jahren treten Unternehmerfamilien vermehrt mit ihren Single Family Offices als quasi-strategische Käufer auf den M&A-Märkten auf und bauen zum Teil beachtliche Portfolios an Direktbeteiligungen auf. Obwohl Familieninvestoren zunehmend professionalisiert agieren und effiziente Transaktionsstrukturen nutzen, unterscheidet sich ihr langfristig-orientierter „Investitionsstil“ und der Charakter des eingesetzten „Family Equity“ doch erheblich vom klassisch kurzfristigen „Private Equity“. Während diese Entwicklung den Wandel von Familienunternehmern zu unternehmerischen Investoren beschreibt, bleiben Unternehmerfamilien durchgehend unternehmerisch – oftmals generationsübergreifend.

Am Institut für Familienunternehmen der WHU untersuchen wir das Phänomen „Mergers & Acquisitions und Familienunternehmen“ multiperspektivisch und interdisziplinär. Dabei verbinden wir die klassische Forschung zu Familienunternehmen mit anderen Forschungsdisziplinen, z.B. den Finanzwissenschaften mit Schwerpunkt auf Kapitalmarkt- und Portfoliotheorien und Corporate Finance. Unsere Forschungsprojekte umfassen sowohl qualitative als auch quantitative Methoden, die wir im Rahmen umfangreicher, longitudinaler Untersuchungen von Unternehmerfamilien, Familienunternehmen, Single Family Offices, deren Beteiligungsstrukturen und Investitionsaktivitäten in der D-A-CH-Region anwenden. Hierbei untersuchen wir zum Beispiel, welche Rolle Family Offices und Direktbeteiligungen für das generationsübergreifende Unternehmertum haben, wie Family Equity in Unternehmerfamilien entsteht und wie sich Family Equity und Private Equity unterscheiden. Andererseits untersuchen wir mithilfe modernster Datenbanken die M&A-Aktivitäten von Familienunternehmen in den letzten Jahrzehnten und ziehen Rückschlüsse auf das jeweilige strategische Rational, den M&A-Prozess und die Preisbildungsmechanismen im Rahmen der jeweiligen Transaktionen im Vergleich zu vergleichbaren Unternehmen und historischen Preisniveaus. Hierbei stellen wir regelmäßig fest, dass sich Preisbildungsmechanismen im Kontext von Familienunternehmen zum Teil erheblich unterscheiden und Familien einen signifikanten Einfluss auf den Prozess und die Preisbildung haben. Zusätzlich identifizieren wir anhand von umfangreichen Fallstudien „kritische Erfolgsfaktoren“, die es im Kontext „M&A und Familienunternehmen“ zu beachten gilt. So konnten wir feststellen, dass die Post Merger Integration von erworbenen Unternehmen in die bestehende Unternehmensstruktur in Familienunternehmen weniger häufig scheitert, als bei vergleichbaren Unternehmenstransaktionen ohne die Beteiligung von Familienunternehmen. Ob eine „Post Merger Integration“ scheitert hängt nicht zuletzt von den Kulturen, den Governance Strukturen und Integarationsfähigkeiten ab, über die Familienunternehmen offensichtlich verfügen und diese auch erfolgreich anwenden. 

Durch unseren permanenten Austausch mit Unternehmerfamilien einerseits und Akteuren aus dem M&A- Umfeld andererseits, haben wir nicht nur Einblicke in das aktuelle Geschehen auf den Transaktionenmärkten, sondern stehen interessierten Unternehmerfamilien neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch mit „Best Practices“ und Netzwerk vertraulich zur Seite.

Ihre Ansprechpartner

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Max Leitterstorf ist seit 2014 Juniorprofessor am Institut für Familienunternehmen der WHU – Otto Beisheim School of Management. Im Rahmen von Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit den ökonomischen und nicht-ökonomischen Zielen von Unternehmerfamilien und den jeweiligen Auswirkungen auf der Unternehmensebene. Konkrete Forschungsprojekte befassen sich u.a. mit der Dividendenpolitik, M&A und Risiko. Neben der eigene Forschung und Lehre fördert Max Leitterstorf auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut und die Einbindung von Familienunternehmern u.a. durch die jährliche Konferenz „Campus for Family Business“.
Vor seinem Wechsel an die WHU war Max Leitterstorf ab 2008 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG). Dort beriet er sowohl Großkonzerne als auch Familienunternehmen bei verschiedenen strategischen Fragestellungen. Projektthemen waren u.a. PMI, Kernprozesse, und Organisationsstrukturen. Seit dem Wechsel an die WHU unterstützt Herr Leitterstorf (z.T. gemeinsam mit studentischen Teams) Familienunternehmen bei unterschiedlichen Themen wie der strategischen Ausrichtung bzw. mit Blick auf die Rolle der Familie im Unternehmen.

Tel.: +49-(0)261-6509-810
Mail: max.leitterstorf(at)whu.edu

Philipp Bierl

Philipp Bierl

Seit September 2017 ist Philipp Bierl externer Doktorand am Institut für Familienunternehmen an der WHU. Der Forschungsschwerpunkt seiner Dissertation liegt auf dem Investitions- und Allokationsverhalten von Unternehmerfamilien und Familiendynastien sowie auf den zugrundeliegenden Wertschöpfungsstrategien und der Bedeutung von Family Equity für das generationenübergreifende Unternehmertum.

Zuvor absolvierte Philipp ein strukturiertes Promotionsstudium an der ESCP Europe in Berlin. Neben seinem Doktorat unterstützt Philipp die unternehmerischen Aktivitäten seiner Familie. Während seiner Tätigkeit als Analyst bei einer international agierenden M&A-Beratung sammelte Philipp umfangreiche Transaktionserfahrung, vor allem mit Schwerpunkt auf Familienunternehmen. Während seiner Studienzeit sammelte Philipp im Rahmen zahlreicher Praktika, u.a. bei einer renommierten Privatbank in Hamburg, M&A-Beratungen in München, einer international agierenden deutschen Bank in New York und Frankfurt am Main sowie bei einer inhabergeführten Privatbank in Zürich, umfassendes Wissen zu generationsübergreifenden Vermögen und lernte die Schnittstellen zwischen Unternehmerfamilie, Single Family Office und deren unternehmerischen sowie investiven Aktivitäten kennen. Philipp verbrachte Auslandssemester an der INSEEC Grande Ecole in Paris (Frankreich) und an der Regent´s University in London (United Kingdom).

Philipp hat einen LL.M. (M&A) der Frankfurt School of Finance, einen M.Sc. in Strategy der INSEEC Grande Ecole Paris sowie einen M.A. in International Management & Finance der Munich Business School.

Mail: philipp.bierl(at)whu.edu