Konflikte

Konflikte gibt es überall. Wo immer Menschen miteinander in Berührung kommen, kommt es zu Konflikten – und Familien sind aufgrund ihrer besonders engen Beziehungen generell sehr anfällig für Konflikte. Die Besonderheit bei Familienunternehmen besteht darin, dass persönliche Konflikte von zuhause in die Firma getragen werden können – und umgekehrt. Die Allgegenwart eines Konflikts, d. h. wenn Personen, die miteinander einen Konflikt haben, sich nicht aus dem Weg gehen können, führt häufig zur Eskalation. Andererseits sind Konflikte nicht notwendigerweise schlecht für das Geschäft. Konkret sind drei Arten von Konflikten zu unterscheiden:

  1. 1. Aufgabenkonflikte: Meinungsverschiedenheiten darüber, was im Familienunternehmen getan werden muss.
  2. 2. Prozesskonflikte: Meinungsverschiedenheiten darüber, wie im Familienunternehmen etwas getan werden soll.
  3. 3. Beziehungskonflikte: Missbilligung des Verhaltens oder der Einstellung einer anderen Person.

Die Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass nur diese letztgenannte Art von Konflikt schädlich ist. Aufgaben- und Prozesskonflikte können dem Unternehmen jedoch sogar nützen, da sie Auslöser für interessante Diskussionen sein können und möglicherweise den Weg für Innovationen freimachen.

Wie können nun Beziehungskonflikte vermieden werden? Eine Möglichkeit zur Vermeidung von Konflikten in Familienunternehmen und Unternehmerfamilien besteht darin, ein klares Regelwerk aufzustellen. Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist das Bemühen um größtmögliche Fairness. Ein als unfair wahrgenommenes Verhalten ist der Hauptauslöser von Unzufriedenheit und letztendlich von Konflikten in Familienunternehmen. „Fair“ zu sein stellt jedoch aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmung von Fairness eine große Herausforderung dar. Während manche der Auffassung sind, alle hätten Anspruch auf das gleiche, sind andere davon überzeugt, jeder und jede sollte das bekommen, was er bzw. sie verdient. Wieder andere sind der Meinung, alle sollten das bekommen, was sie brauchen. Wenn Entscheidungen zu treffen sind, die im Zusammenhang mit der Wahrnehmung von Fairness stehen, sollten sich Entscheidungsträger folgende Forschungsergebnisse vor Augen führen: Die meisten Menschen akzeptieren es, wenn sie einen geringeren Betrag oder eine geringere Menge als andere erhalten, sofern die Prozessgerechtigkeit hoch ist. Die Prozessgerechtigkeit kann erhöht werden, wenn die Verteilungs- oder Auswahlkriterien im Voraus transparent kommuniziert werden.

Ihre Ansprechpartnerin

Prof. Dr.  Nadine Kammerlander

Prof. Dr. Nadine Kammerlander

Nadine Kammerlander wurde im November 2015 zur Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management berufen. Zuvor war sie als Assistenzprofessorin an der Universität St. Gallen tätig. Nadine Kammerlander ist diplomierte Physikerin (TU München) und promovierte Betriebswirtschaftswissenschaftlerin (Otto-Friedrich Universität Bamberg). Sie arbeitete mehrere Jahre bei McKinsey & Company und beriet internationale Unternehmen der Automobil- und Halbleiter-Branche in Produktentwicklungsprojekten. Neben der Schweiz und Deutschland lebte bzw. arbeitete Nadine Kammerlander auch in Schweden, Italien, USA und Mexiko.

Tel.: +49-(0)261-6509-780
Mail: nadine.kammerlander(at)whu.edu