Innovation

Familienunternehmen investieren weniger in Innovation als andere Unternehmen. Dies liegt daran, dass geschäftsführende Eigentümer von Familienunternehmen ihr eigenes Geld und nicht das Geld anderer investieren. Deshalb sind sie sehr vorsichtig mit ihren Geldanlagen. Üblicherweise bevorzugen sie sichere, langfristige Anlagen wie Immobilien und Maschinen anstelle unsicherer Investitionen z. B. in Forschung und Entwicklung.

Das heißt jedoch keineswegs, dass Familienunternehmen nicht innovativ sind. Vielmehr zeigen die Ergebnisse des ifb, dass Familienunternehmen innovativer als andere Unternehmen sind, weil sie bei ihren Innovationsprozessen sehr effizient und effektiv vorgehen. Mit anderen Worten: Für jeden in die Forschung und Entwicklung investierten Euro erhalten sie mehr Output als andere Unternehmen. Was sind die Gründe für diese Innovationskraft? Erstens können Familienunternehmen auf ein tragfähiges Netzwerk zurückgreifen. Im 21. Jahrhundert werden viele Innovationen nicht innerhalb des Unternehmens entwickelt, der Anstoß kommt vielmehr von außerhalb, z. B. von Lieferanten und Kunden. Zweitens können Familienunternehmen häufig auf motivierte, loyale Mitarbeiter bauen, die zum Weiterkommen des Unternehmens beitragen. Drittens können Geschäftsführer dank ihrer fundierten Branchen- und Produktkenntnisse die laufenden Innovationsprozesse bestmöglich unterstützen und evaluieren. Und, last but not least, haben geschäftsführende Eigentümer von Familienunternehmen anders als die Geschäftsführer anderer Unternehmensformen eine viel höhere Motivation, Innovationsprozesse zum Erfolg zu führen, weil es sich um ihr eigenes Unternehmen und ihr eigenes Geld handelt.

Innovation in familiengeführten KMUs

Aufgrund der sich schnell wandelnden Umwelt, des technologischen Fortschritts und des verschärften Wettbewerbs ist Innovation für alle Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für langfristiges Überleben. Hierbei müssen sich Unternehmen im 21. Jahrhundert neu erfinden. Globalisierung und Digitalisierung erfordern Innovationen im Bereich von Produkten, Prozessen und Geschäftsmodellen. Familienunternehmen unterscheiden sich jedoch von anderen Organisationstypen hinsichtlich ihres Innovationsverhaltens aufgrund ihrer Fokussierung auf die Erhaltung sozio-emotionalen Wohlstands und Langzeitorientierung. Am Institut für Familienunternehmen der WHU untersuchen wir die Herausforderungen, denen sich kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Zuge dieser der sich schnell ändernden Umwelt und Wettbewerbs gegenübersehen. Unsere Forschungsprojekte beruhen sowohl auf konzeptionellen, qualitativen als auch quantitativen Methoden. Die Fähigkeit von familiengeführten KMU Innovationen durch enge Kundeninteraktionen voranzutreiben, unterscheidet sich erheblich. Im Rahmen einer Studie beleuchten wir den Lern- und Innovationsprozess, den Eigentümer-Manager von familiengeführten KMUs vorantreiben, und die Barrieren, die kundengetriebene Innovationen in familiengeführten KMU verlangsamen oder gar verhindern. Insbesondere finden wir heraus, dass die Fähigkeit des Eigentümer-Managers sich in verschiedene Rollen fließend einzufinden, die Befähigung von Mitarbeitern sowie die Unterstützung von Familienmitgliedern wichtige Ressourcen sind, um Innovationen durch Kundeninteraktionen sicherzustellen. Wir entwickeln Hypothesen, welche die Innovationsunterschiede in familiengeführten KMU erklären und den teilweise zweischneidigen Charakter einiger Ressourcen für ein effektives Lernen hervorheben, die schließlich dazu führen, dass familiengeführte KMU von kundengetriebenen Innovationen profitieren.

Ihre Ansprechpartnerinnen

Prof. Dr.  Nadine Kammerlander

Prof. Dr. Nadine Kammerlander

Nadine Kammerlander wurde im November 2015 zur Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management berufen. Zuvor war sie als Assistenzprofessorin an der Universität St. Gallen tätig. Nadine Kammerlander ist diplomierte Physikerin (TU München) und promovierte Betriebswirtschaftswissenschaftlerin (Otto-Friedrich Universität Bamberg). Sie arbeitete mehrere Jahre bei McKinsey & Company und beriet internationale Unternehmen der Automobil- und Halbleiter-Branche in Produktentwicklungsprojekten. Neben der Schweiz und Deutschland lebte bzw. arbeitete Nadine Kammerlander auch in Schweden, Italien, USA und Mexiko.

Tel.: +49-(0)261-6509-780
Mail: nadine.kammerlander(at)whu.edu

Stephanie Querbach

Stephanie Querbach

Seit Januar 2016 ist Stephanie Querbach als Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Familienunternehmen tätig. Sie absolvierte ihr Bachelor und Master Studium an der Freien Universität Bozen. Im Rahmen ihres Bachelorstudiums besuchte sie die Universität Mannheim und verbrachte während des Masterstudiums ein Semester an der Università degli Studi di Firenze. Anschließend sammelte sie wertvolle Berufserfahrung in einem Beratungs- und Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen. Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Nachfolge, Innovation und Führung in Familienunternehmen.

Tel.: +49 (0)261 6509-782
Mail: stephanie.querbach(at)whu.edu