Frauen in Familienunternehmen

Frauen werden zunehmend zum integralen Bestandteil der heutigen Geschäftswelt und spielen eine immer entscheidendere Rolle in Führungspositionen. Insbesondere in Deutschland stellen kleine bis mittlere Familienunternehmen erhebliche Chancen für Frauen in Führungspositionen dar. Laut einer Studie der KfW (2015) wird heutzutage jedes fünfte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von einer Frau geführt. KPMG betrachtete 2015 die Top 250 Familienunternehmen in Deutschland: So war der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit nur 4.3% und in Aufsichtsratspositionen mit nur 17.0% noch verhältnismäßig gering. 

Obwohl Frauen in Führungspositionen—auch in Familienunternehmen—zunehmend eine entscheidende Rolle spielen, ist dieser Bereich akademisch wenig erforscht. Nur wenige Wissenschaftler betrachten zum jetzigen Zeitpunkt die Tatsache, dass Frauen Führungspositionen in Familienunternehmen einnehmen oder einnehmen werden, sondern beschäftigen sich vorrangig mit den Hürden der weiblichen Nachfolge und stellen die Besonderheit der Frau als Nachfolgerin in den Vordergrund. Forschung über Rollen und Chancen von Nachfolgerinnen in Führungspositionen ermöglichen einen besseren Einblick, wie Frauen das heutige Geschäftsumfeld beeinflussen können und die Gesellschaft in eine positive Richtung bewegen.

Am Institut für Familienunternehmen der WHU untersuchen wir das Phänomen „Frauen in Familienunternehmen“ und gehen insbesondere auf folgende Fragestellungen ein:

  • Wie wächst die Nachfolgerin in das Familienunternehmen hinein und wie entwickelt sie sich in ihrer Führungsposition?
  • Welchen Einfluss haben Mentoren und Vorbilder auf die Nachfolgerin im Familienunternehmen und ihre Führungspersönlichkeit? 
  • Wie bilden weibliche familieninterne und familienexterne Führungskräfte Ansätze zur Legitimierung? 

Am Institut für Familienunternehmen der WHU führen wir insbesondere qualitative und persönliche Interviewstudien mit Nachfolgerinnen aus deutschen Familienunternehmen.

Erste Ergebnisse zeigen, dass der Nachfolgeprozess von weiblichen Führungskräften durch Faktoren wie Ausbildung, externe Berufserfahrung, Verantwortung, Eigenständigkeit, Akzeptanz und Erfahrung im Unternehmen sowie die eigene Persönlichkeit beeinflusst wird. Diese Eigenschaften wiederum beeinflussen, wie Frauen Legitimationsansätze bilden. Das Maß an Einfluss variiert; ähnliche Einflüsse wurden dennoch beobachtet: Ausbildung und Arbeitserfahrung vor dem Eintritt in das Familienunternehmen fördern das Selbstbewusstsein und Vertrauen von Frauen. Kritische Ereignisse in der Nachfolge stärken Frauen sich unerwarteten Begebenheiten proaktiver zu stellen und sich in kritischen Situationen leichter anpassen zu können. Vorbilder spielen für weibliche Führungskräfte eine wesentlich unbedeutendere Rolle als zunächst erwartet. Im Gegensatz dazu spielen Mentoren eine wichtige Rolle für Nachfolgerinnen in Familienunternehmen. Durch die intensive Interaktion und den langfristigen Austausch kann der Mentor/ die Mentorin Hilfestellung bei schwierigen Themen geben, Ratgeber bei persönlichen Entscheidungen sein oder sogar eine freundschaftliche Bezugsperson. Der Mentor/ die Mentorin wirkt durch das Fordern und Fördern des Protegés prägend. Mentoren unterstützen dabei die Nachfolgerin ihre Stellung in der Gesellschaft und in dem Unternehmen zu finden und beeinflussen damit auch positiv die Entwicklung der Führungspersönlichkeit. 

Ihre Ansprechpartnerinnen

Prof. Dr.  Nadine Kammerlander

Prof. Dr. Nadine Kammerlander

Nadine Kammerlander wurde im November 2015 zur Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management berufen. Zuvor war sie als Assistenzprofessorin an der Universität St. Gallen tätig. Nadine Kammerlander ist diplomierte Physikerin (TU München) und promovierte Betriebswirtschaftswissenschaftlerin (Otto-Friedrich Universität Bamberg). Sie arbeitete mehrere Jahre bei McKinsey & Company und beriet internationale Unternehmen der Automobil- und Halbleiter-Branche in Produktentwicklungsprojekten. Neben der Schweiz und Deutschland lebte bzw. arbeitete Nadine Kammerlander auch in Schweden, Italien, USA und Mexiko.

Tel.: +49-(0)261-6509-780
Mail: nadine.kammerlander(at)whu.edu