Finanzierung und Kapitalstruktur

Sind Familienunternehmen im Durchschnitt höher oder geringer verschuldet als Nicht-Familienunternehmen? Diese Frage steht beim Thema der Kapitalstruktur von Familienunternehmen häufig im Vordergrund. Wissenschaftliche Studien zu dieser Frage bieten zum Teil widersprüchliche Argumente.

Einige Forscher betonen, dass Familienunternehmen an einer geringen Verschuldung besonders interessiert sein sollten. Schließlich gilt: Je höher die Verschuldung, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz, die für Unternehmerfamilien noch einschneidender ist als für reguläre Aktionäre. Denn in der Regel ist ein Großteil des Familienvermögens in einem einzigen Unternehmen gebunden. Zudem ziehen Unternehmerfamilien häufig auch nicht-ökonomischen Nutzen wie z.B. persönliche Reputations-Effekte aus dem Unternehmen.

Andere Forscher betonen, dass Unternehmerfamilien die Kontrolle über das Unternehmen nicht mit anderen Aktionären teilen möchten. Wenn also weiteres Kapital benötigt wird, dann ziehen viele Unternehmerfamilien zusätzliches Fremdkapital einem Börsengang oder ähnlichen Eigenkapital-Optionen vor. Im Resultat könnten so besonders hoch verschuldete Familienunternehmen existieren.

Empirische Ergebnisse bieten leider bisher kein einheitliches Bild. Einige Forscher berichten, dass Familienunternehmen im Durchschnitt geringer verschuldet sind als Nicht-Familienunternehmen – andere Forscher berichten das Gegenteil. Gründe für solche Diskrepanzen liegen z.B. bei unterschiedlichen Definitionen von Familienunternehmen oder unterschiedlichen nationalen Kontexten. Internationale Datensätze mit Beobachtungen über mehrere Jahre hinweg könnten in Zukunft die empirischen Erkenntnisse verbessern.

Für die Praxis gilt jedoch bereits jetzt folgendes: Erstens, Familienunternehmen bevorzugen Eigenkapital aus der Familie gegenüber Fremdkapital und externem Eigenkapital. Zweitens, wenn externes Kapital benötigt wird, dann haben Familienunternehmen die Wahl zwischen höherem Firmenrisiko bei Fremdkapital und potentiellem Kontrollverlust bei externem Eigenkapital. Drittens, welche der externen Finanzierungsoptionen gewählt wird, hängt von den persönlichen und zum Teil emotional geprägten Präferenzen der jeweiligen Unternehmerfamilie ab.

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Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Jun.-Prof. Dr. Max Leitterstorf

Max Leitterstorf ist seit 2014 Juniorprofessor am Institut für Familienunternehmen der WHU – Otto Beisheim School of Management. Im Rahmen von Forschung und Lehre beschäftigt er sich mit den ökonomischen und nicht-ökonomischen Zielen von Unternehmerfamilien und den jeweiligen Auswirkungen auf der Unternehmensebene. Konkrete Forschungsprojekte befassen sich u.a. mit der Dividendenpolitik, M&A und Risiko. Neben der eigene Forschung und Lehre fördert Max Leitterstorf auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut und die Einbindung von Familienunternehmern u.a. durch die jährliche Konferenz „Campus for Family Business“.
Vor seinem Wechsel an die WHU war Max Leitterstorf ab 2008 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG). Dort beriet er sowohl Großkonzerne als auch Familienunternehmen bei verschiedenen strategischen Fragestellungen. Projektthemen waren u.a. PMI, Kernprozesse, und Organisationsstrukturen. Seit dem Wechsel an die WHU unterstützt Herr Leitterstorf (z.T. gemeinsam mit studentischen Teams) Familienunternehmen bei unterschiedlichen Themen wie der strategischen Ausrichtung bzw. mit Blick auf die Rolle der Familie im Unternehmen.

Tel.: +49-(0)261-6509-810
Mail: max.leitterstorf(at)whu.edu